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Fink Consulting


Interview


Manfred Fink ist der unumstrittenste Spezialist im deutschsprachigen Raum, der sich ausschließlich mit Abhörschutz beschäftigt. Sein Standardwerk "Lauschziel Wirtschaft" aus dem Jahre 1996 gilt immer noch als das einzige Fachbuch am Markt. Ende 2006 kommt endlich die überarbeitete Version auf den Markt.

"der detektiv": Wie abhörsicher sind GSM Handys?

Manfred Fink: GSM ist besser als sein Ruf. Das Abhören der Funkstrecke liegt auf nachrichtendienstlichem Niveau, und Abhörfunktionen "ab Werk" sind nicht bewiesen. Die Hauptrisiken liegen in der Fehlbedienung und dem Austausch von Komponenten, wie z.B. Akkus, gegen manipulierte Ausführungen. Bei internetfähigen Smartphones müssen wir inzwischen aber auch mit den Risiken durch schädliche Software rechnen.

"der detektiv": Wie abhörsicher sind schnurlose Telefone?

Manfred Fink: Alle Generationen - von alten US-Exportgeräten bis hin zu DECT-Geräten - sind grundsätzlich abhörbar. Bei der letzten Generation ist dies aber auch von Funkamateuren nicht mehr machbar. Die Spezialempfänger kosten mindestens 50.000 Euro und erfordern viel Know-how. Spannend wird das Thema bei Voice-over-WLAN. Die Sicherheit dieses künftigen Standards wird eine Frage der Verschlüsselung und Authentifizierung sein, da hier alle bekannten Risiken eines Funknetzwerks denkbar sind.

"der detektiv": Welche Art von Kommunikation ist heutzutage noch sicher?

Manfred Fink: Im Bereich der Telekommunikation ist unser gutes, altes ISDN wesentlich sicherer als Voice-over-IP. Während das ISDN nur mit Spezialequipment angreifbar ist, entscheidet bei VoIP das Vorhandensein einer hochwertigen Verschlüsselung über die Sicherheit der Verbindung. Beim Mobilfunk hat UMTS (außer gegenüber richterlich angeordneten Maßnahmen) eine höhere Sicherheit als GSM.

"der detektiv": Welches war der ungewöhnlichste Container, in dem Sie ein Abhörgerät entdeckten?

Manfred Fink: Einen ungewöhnlichen Fall hatten wir in einer Betonwand. Ein mit Maßband gemessenes Telefonkabel schien 52 Meter lang zu sein. Ein Kabelmessgerät verriet uns aber die wahre Länge von 72 Metern, und das, obwohl das Kabel entlang der ganzen Strecke sichtbar war. Es durchquerte nur eine Betonwand. Und genau dort befanden sich die übrigen 20 Meter als verborgene Schleife, die zur Abhöranlage in der Etage darunter führte.

"der detektiv": Wie muss man sich einen Sweep vorstellen, z.B. bei einem 50 m2 Büro, 1 TK mit Schnurlostelefon, 1 Fax, 6 Steckdosen, 1 Feuermelder, Zwischendecke mit Halogenlampen, Fernseher, Videorekorder, Schreibtisch, Sessel, 2 Karteikästen, 2 Fenster?

Manfred Fink: Bei hohen Sicherheitsanforderungen einen ganzen Tag Arbeit mit fünf bis sechs erfahrenen Mitarbeitern mit Messtechnik der zerstörungsfreien Materialprüfung, wie z.B. Röntgengerät, Wärmebildkamera, Halbleiterdetektor und Videoendoskop, mit komplexen Kabelmessgeräten, u.a. ein Impuls-Echo-Gerät und einen Langwellenempfänger sowie einen Hochfrequenz-Spektrumanalysator. Nicht zu vergessen: Viel Handwerkzeug und einen guten Spürsinn.

"der detektiv": Was raten Sie einem Kunden, dem die finanziellen Möglichkeiten für einen professionellen Sweep fehlen, um Informationsabflüssen vorzubeugen?

Manfred Fink: Das Hauptproblem bei Informationsabflüssen dürfte wohl der Mensch sein. Und hier lautet das Prinzip "need-to-know". Die meisten Informationen werden unnötig und freiwillig und vor allem aber fahrlässig weitergegeben. Ein gesundes Misstrauen ist kein schlechter Weg. In der Kommunikationstechnik sollte man immer lieber abwarten und nicht ständig das Neueste verwenden, dessen Gefahren noch nicht bekannt sind.

"der detektiv": Aus wie vielen Mitarbeitern aus welchen Bereichen besteht Ihr Team?

Manfred Fink: Meine Mannschaft besteht aus sechs festangestellten und sechs freiberuflichen Technikern und Ingenieuren. Sie kommen aus der Informatik, Netzwerk-, Nachrichten- und Hochfrequenztechnik sowie Fernmeldeelektronik. Einer ist Bauingenieur und drei waren früher beim Militärischen Abschirmdienst (MAD).

"der detektiv": Haben Sie für Mitarbeiter ein eigenes "Übungsbüro" bzw. Forschungslabor?

Manfred Fink: Wir betreiben in einer Industriehalle ein Gebäudeschnittmodell im Maßstab 1:1, an dem wir alle gängigen Angriffsszenarien nachstellen und neue Prüfverfahren erproben können. Dort werden auch die Mitarbeiter trainiert und Kunden ausgebildet.

"der detektiv": Seit wann sind Sie in diesem speziellen Bereich tätig und was war für Sie auslösend, diesen Weg einzuschlagen?

Manfred Fink: In der Sicherheitsbranche bin ich seit 1986 selbständig, und zur Lauschabwehr kam ich wie die Jungfrau zum Kind: Als Sicherheitsberater wurde ich 1990 von Institutionen aus der ehemaligen DDR angesprochen, ob ich bei der Bereinigung technischer Stasi-Altlasten unterstützen könne. Zusammen mit einem befreundeten Fernmeldetechniker und einem früheren Mitarbeiter der "HA-III" des MfS (das waren die Wanzenleger) haben wir damals viele Plattenbauten in den neuen Bundesländern gesäubert. Und da gäbe es auch heute noch viel zu tun, wenn das Geld dafür vorhanden wäre.

"der detektiv": Was würden Sie jungen Kollegen raten, die sich im Bereich des Abhörschutzes spezialisieren wollen, in punkto Ausbildungs- und Fortbildungsmöglichkeiten und Kosten für Equipment?

Manfred Fink: Eine völlige Spezialisierung ist vor allem bei hochgradig gefährdeten Zielgruppen, wie z.B. Botschaften und internationalen Konzernen, recht schwer. Dieser Nischenmarkt erfordert einen extrem großen Einsatzradius und Investitionen von mindestens einer halben Million EURO. Ein seriöser Seiteneinstieg ist aber durchaus denkbar über weniger gefährdete Kleinunternehmen und Privatpersonen als Kunden. Deren geringeres Angriffsrisiko erfordert nur eine überschaubare Ausrüstung ab ca. EUR 50.000,- und frei verfügbares Know-how in der Kommunikationstechnik. Das Fachwissen ist in Insiderkreisen problemlos erlernbar. Wir kochen auch nur mit Wasser.

"der detektiv" dankt für das Gespräch!

("der detektiv" Ausgabe 1/2006, März 2006)